Fußballstadien in Baden-Württemberg sind sicher: Stadionallianzen bundesweit stärken statt blockieren
Historisch positive Sicherheitsbilanz
Die kürzlich vom Innenministerium Baden-Württemberg veröffentlichten Zahlen zur Fußballsaison 2025/2026 sprechen eine mehr als deutliche Sprache: Noch nie zuvor war Fußball in Baden-Württemberg so sicher wie in der vergangenen Saison.
Die Zahl der Straftaten ging zurück, die Zahl der verletzten Personen sank auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren und gleichzeitig konnten Einsatzstunden sowie Polizeikräfte reduziert werden. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass diese Entwicklung bei gleichzeitig Millionen Stadionbesucherinnen und Stadionbesuchern verzeichnet wurde.
Passend dazu erklärte Innenminister Manuel Hagel:
„Noch nie war Fußball so sicher wie in der letzten Saison.“
Diese Aussage verdient besondere Aufmerksamkeit, denn sie steht im deutlichen Widerspruch zu der seit Jahren wiederholt vorgetragenen Behauptung, der Fußball habe grundsätzlich ein Gewaltproblem. Die offiziellen Zahlen des Landes zeigen vielmehr, dass Gewalttaten im baden-württembergischen Fußball die Ausnahme und nicht die Regel sind. Wer weiterhin pauschale Bilder von angeblich eskalierenden Stadien zeichnet, ignoriert diese Fakten.
Der Erfolg der Stadionallianzen
Ebenso klar benennt das Innenministerium die Ursache für diese positive Entwicklung. Innenminister Hagel stellt fest:
„Der baden-württembergische Weg der Stadionallianzen wirkt.“
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt. Die historisch positiven Zahlen sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis jahrelanger Arbeit von Vereinen, Fanprojekten, Kommunen und lokalen Behörden.
Stadionallianzen sind keine symbolischen Gesprächskreise und kein PR-Instrument. Sie sind gelebte Prävention. Wenn regelmäßig miteinander gesprochen, Informationen frühzeitig ausgetauscht und Probleme gemeinsam angegangen werden, können Konflikte entschärft werden, bevor sie entstehen. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Augenhöhe ist daher kein Nebenaspekt, sondern ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Sicherheitspolitik.
Zusammenarbeit statt Konfrontation
Umso problematischer ist es, wenn einzelne Beteiligte diesen Ansatz nicht aktiv mittragen. Stadionallianzen können nur funktionieren, wenn alle Partner bereit sind, sich konstruktiv einzubringen. Wer Dialogformate ignoriert, Absprachen unterläuft oder einseitig auf Konfrontation setzt, gefährdet genau jene Grundlage, auf der nachhaltige Sicherheit entsteht.
Diese Kritik ist keineswegs neu. Auch der Dachverband der Fanhilfen hat bereits darauf hingewiesen, dass polizeiliches Handeln den Sinn von Stadionallianzen infrage stellen kann, wenn Vertrauen durch mangelnde Kommunikation oder einseitige Maßnahmen beschädigt wird:
Stadionallianzen leben vom Mitmachen. Sie scheitern dort, wo einzelne Akteure glauben, auf Zusammenarbeit verzichten zu können.
Karlsruhe als Beispiel
Auch bei uns in Karlsruhe wurden die Chancen und Möglichkeiten von Stadionallianzen in der Vergangenheit nicht immer ausgeschöpft. Nach unserer Wahrnehmung gab es Phasen, in denen führende Verantwortliche der Polizei den gemeinsamen Ansatz durch Fernbleiben oder eigenständige Vorgehensweisen erheblich erschwert haben. Die Folge waren Misstrauen und vermeidbare Konflikte.
Umso deutlicher zeigt die jüngere Entwicklung, wie wirkungsvoll Stadionallianzen sein können, wenn alle Beteiligten tatsächlich an einem Strang ziehen.
Mit Veränderungen in der Einsatzleitung hat sich die Zusammenarbeit am Standort Karlsruhe spürbar verbessert. Kommunikation und Austausch finden heute auf einer deutlich besseren Grundlage statt. Dass es in der vergangenen Saison nach unserer Kenntnis keine durch polizeiliche Maßnahmen verursachten Verletzungen und keine daraus resultierenden öffentlich bekannten strafrechtlich relevanten Vorfälle gab, ist aus unserer Sicht kein Zufall. Es ist vielmehr Ausdruck eines veränderten Miteinanders.
Diese Entwicklung zeigt: Wo Kommunikation funktioniert, Vertrauen aufgebaut wird und alle Beteiligten Verantwortung übernehmen, kann Sicherheit gelingen, ohne unnötige Eskalation und ohne vermeidbare Konfrontation.
Jetzt die richtigen Schlüsse ziehen
Die aktuellen Zahlen aus Baden-Württemberg dürfen deshalb nicht nur eine erfreuliche Randnotiz zum Saisonstart sein. Sie müssen Anlass sein, grundsätzliche Schlussfolgerungen zu ziehen.
Wenn die Landesregierung selbst feststellt, dass Stadionallianzen funktionieren, müssen diese konsequent gestärkt werden.
Wenn die Zahl der Gewaltdelikte sinkt und die Zahl der Verletzten einen historischen Tiefstand erreicht, müssen pauschale Behauptungen über ein angeblich grundsätzlich bestehendes Gewaltproblem im Fußball kritisch hinterfragt werden.
Und wenn Kooperation nachweislich bessere Ergebnisse liefert, darf niemand diese Zusammenarbeit blockieren oder aushöhlen.
Unser Appell
Die Debatte über Fußball und Sicherheit braucht mehr Fakten und weniger Schlagworte.
Die Zahlen aus Baden-Württemberg sind eindeutig: Dort, wo Stadionallianzen funktionieren, können Gewalt- und Verletztenzahlen sinken.
Wer funktionierende Stadionallianzen blockiert oder aushöhlt, handelt gegen einen nachweislich erfolgreichen Ansatz.
Deshalb müssen Stadionallianzen gestärkt, weiterentwickelt und bundesweit etabliert werden.
Mehr Dialog statt Konfrontation.
Mehr Zusammenarbeit statt Alleingänge.
Mehr Fakten statt Vorurteile.
Wer sichere Stadien will, muss Stadionallianzen stärken statt blockieren.
Fanhilfe Karlsruhe e.V.